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Das Ideal 
von Kurt Tucholsky

Ja, das möchste: 
Eine Villa im Grünen mit großer Terrasse, 
vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße; 
mit schöner Aussicht, ländlich-mondän, 
vom Badezimmer ist die Zugspitze zu sehn – 
aber abends zum Kino hast dus nicht weit.
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Das Ganze schlicht, voller Bescheidenheit:
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Neun Zimmer – nein, doch lieber zehn! 
Ein Dachgarten, wo die Eichen drauf stehn, 
Radio, Zentralheizung, Vakuum, 
eine Dienerschaft, gut gezogen und stumm, 
eine süße Frau voller Rasse und Verve – 
(und eine fürs Wochenend, zur Reserve) – 
eine Bibliothek und drumherum 
Einsamkeit und Hummelgesumm.
...
Ja, das möchste!
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Aber, wie das so ist hienieden: 
manchmal scheints so, als sei es beschieden 
nur pöapö, das irdische Glück. 
Immer fehlt dir irgendein Stück. 
Hast du Geld, dann hast du nicht Käten; 
hast du die Frau, dann fehln dir Moneten – 
hast du die Geisha, dann stört dich der Fächer: 
bald fehlt uns der Wein, bald fehlt uns der Becher.
Etwas ist immer. 
Tröste dich.
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Jedes Glück hat einen kleinen Stich. 
Wir möchten so viel: Haben. Sein. Und gelten. 
Dass einer alles hat: 
das ist selten.
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(1927)